Predictions 2022

Was der Dezember für Jahresrückblicke ist, ist der Januar für Prognosen und Vorhersagen.
Und auch ich kann es mir nicht verkneifen, einen Blick in die Poké Bowl zu werfen und versuche mich in diesem und dem kommenden Newsletter an ein paar Predictions für 2022.

Also, Kaffee austrinken und mal schauen, was der Kaffeesatz zu sagen hat.

Predictions in der Übersicht:

Food Delivery Predictions
Amazon kauft europäischen Quick Commerce Anbieter.
Startups nehmen weniger Venture Capital ein als 2021.
Erste Startups kündigen aber IPOs an.
Aldi und Lidl bleiben weiterhin ohne klare eFood-Bemühungen.
Eismann und Bofrost verlieren an Relevanz (und Umsatz).
New Food Predictions
Impossible Food geht an die Börse.
“New Food”-Unternehmen versuchen sich vermehrt an Ingredient-Branding.
Insekten-Startups fliehen in die Nische (oder verschwinden ganz).
Sonstige Predictions
Bio-Lebensmittel: Neues Rekordjahr für Bio.
Edibles: Cannabis-Legalisierung für 2022 noch ohne Relevanz.
Food Podcasts: Audio-Formate werden für Food-Unternehmen relevanter.
Gastronomie: Ghost Kitchens gewinnen in Deutschland an Relevanz (und Umsatz).
Robotik: Erstes Robo-Restaurant eröffnet in Deutschland (als PR Maßnahme). 
Crypto: Deutsche Food Brands versuchen sich an NFTs.

Keinen Newsletter mehr verpassen: Jetzt anmelden!

FOOD DELIVERY

Starten wir mit dem Hype-Thema des vergangenen Jahres: Lebensmittellieferdienste. Bei der Entwicklungsgeschwindigkeit, die dieser Markt mit sich bringt, ist es nicht verwunderlich, dass auch 2022 viel passieren wird. Und ihr dürft euch auch schon bald über einen Deep Dive zum Thema freuen.

1) Amazon kauft europäischen Quick Commerce Anbieter
Okay, fangen wir mit etwas gewagten an. Denn, was Amazon im Lebensmittelmarkt plant, weiß der weltgrößte Konzern bislang selbst nicht so richtig. Und dennoch ist eines klar: Das Unternehmen aus Seattle möchte sich den Milliardenmarkt “Food” nicht entgehen lassen. Nach dem Kauf des US-Bio-Händlers Whole Foods war für alle klar, dass Jeff Bezos schon bald zum Angriff auf Walmart bläst. Doch seit dem ist außer Experimenten und Rabatten für Prime-Kunden wenig passiert. So mancher prognostiziert für dieses Jahr sogar bereits den Untergang von Whole Foods. Soweit möchte ich nicht gehen. Aber Fakt ist: Amazon kommt nicht voran. Auch der hauseigene Lieferdienst Amazon Fresh kommt nicht in die Gänge. Doch mit dem neuen Chef, kommt auch ein neues Konzept. In Großbritannien probiert sich Amazon nun als Plattform für Supermärkte, ähnlich dem Konzept von Instacart
Doch wird es in Europa allmählich eng und die Lieferfahrer knapp. Es wäre für Amazon also nur der logische Schritt, auf erneute Experimente zu verzichten, die Erfahrungen von Gorillas und Co. für sich zu nutzen und deren Infrastruktur zu übernehmen. Dann wohl unter der Marke Amazon Fresh.

2) Weniger Venture Capital, mehr IPO-Ankündigungen 
Alle reden von der großen Konsolidierung. Doch tippe ich in 2022 eher auf ein Übergangsjahr. Bis auf 1-2 Übernahmen und/oder Rückzügen wird erstmal das in 2021 angesammelte Risikokapital verbrannt. Darüber hinaus wollen Investoren üblicherweise ihre Geld vervielfachen. Am besten funktioniert das in diesen Sphären über den IPO (mal abgesehen von einer Milliarden-Übernahme durch Amazon). Über Börsengänge wird dieses Jahr viel gesprochen. Dazu wird es aber wohl noch nicht so schnell kommen. Maximal über einen schnellen SPAC

3) Aldi und Lidl weiterhin ohne klare eFood-Bemühungen
Ja, nein, vielleicht. So in etwa sieht die eFood “Strategie” der deutschen Discounter Aldi und Lidl aus. Anfang 2021 kündigte ALDI noch stärkere Investitionen in Online-Lebensmittel an. Passiert ist seit dem nichts. Der Billigpreis-Vorreiter läuft in Sachen eFood ähnlich hinterher, wie Mitbewerber Lidl (Schwarz Gruppe). Beide setzen gegenwärtig zwar auf Online, hier aber nur auf Non-Food und Aktionsprodukte. Das Liegt vermutlich daran, dass der Markt bislang keine Rentabilität mit sich bringt. Trotz Pandemie und dem Hype um die 10-Minuten-Lieferdeinste kauft letztendlich kaum jemand Lebensmittel online.
Doch das Abwarten könnte die Discounter teuer zu stehen kommen.
REWE als Vorreiter, Picnic als gewissenhafter Herausforderer und ein Haufen an “10-Minuten-Rebellen” könnten es den Billigheimern schwer machen. Von den lauernden US-Riesen ganz zu schweigen.

4) Abwärtstrend bei Eismann und Bofrost
2021 war ein super Jahr für zwei alte Bekannte: Bofrost und Eismann liefern seit Jahrzehnten Tiefkühllebensmittel an die Haustür. Und selten lief es so gut wie im vergangenen Pandemie-Jahr. Doch die Zahlen täuschen darüber hinweg, dass es bis 2020 deutlich nach unten ging. Beide Unternehmen haben es verpasst, ihre Infrastruktur für mehr Innovation zu nutzen und sehen sich nun dem Druck neuer Anbieter gegenüber. 2022 kehrt sich der Trend wieder ins Negative um.

BIO LEBENSMITTEL 

Neues Rekordjahr für Bio
Bio-Lebensmittel haben längst den Übergang in den Mainstream geschafft. Trotz der zunehmenden, pandemie-bedingten Existenzängste war das Jahr 2020 das beste Bio-Jahr überhaupt. Und auch wenn die Branchenzahlen noch fehlen: Erste Aussagen aus dem Handel sprechen dafür, dass es 2021 so weiterging. Bio-Lebensmittel sind auf dem Weg, dass neue “Normal” zu werden. Und die neue Ampelregierung wird sicherlich dazu beitragen, dass das Wachstum auch 2022 so weiter geht.

EDIBLES 

Cannabis-Legalisierung für 2022 noch ohne Relevanz
Die Resonanz auf die im Koalitionsvertrag festgehaltene Legalisierung von Cannabis war groß und auch ich berichtete in Newsletter (Ausgabe #3) begeistert von dem Potenzial für den Lebensmittelmarkt. Doch der geplante Schritt ist enorm und es wird vermutlich die gesamte Legislaturperiode dauern, um die Legalisierung durchzusetzen. Bis wir THC-Gummibärchen und Hasch-Kekse im LEH oder Onlineshop kaufen können, wird es noch eine weile dauern.

FOOD PODCASTS 

Audio bläst zum Angriff auf Video-Content
Hört ihr Podcasts? Je nach dem, wen man diese Frage stellt kommt man entweder zu dem Schluss, dass sie jeder hört – oder eben niemand. Fakt ist, dass hier noch einiges an Potenzial schlummert. Während hierzulande noch True Crime, Comedy und Talk an der Spitze stehen, zeigt ein Blick in die USA: Food und Audio – das funktioniert. Ob Kochpodcasts (Rezepte auf Anleitung), Trendpodcasts (Was ist der neuste Shit?) oder einfach Interviews und Talk. Bisher versuchen sich hierzulande – neben einigen Nischen-Podcasts – nur EDEKA (“Iss so”) und Try Foods (“Geschmackssache”) mit Konzepten, die sich an Endverbraucher*innen wenden. Das wird sich dieses Jahr ändern.
Natürlich wird es auch zu diesem Thema bald einen spannenden Deep Dive geben, in dem wir einen Blick auf die interessantesten Podcast-Konzepte werfen.

NEW FOOD / ALTPROTEIN

1) Impossible Food geht an die Börse
2021 war kein gutes Jahr für börsennotierte “New Food”-Unternehmen. Beyond MeatModern Plant Based FoodsThe Very Good Food Company und Oatly – alle Aktienkurse gingen im vergangenen Jahr stetig nach unten. Und dennoch sieht es so aus, als wird Impossible Foods in diesem Jahr den IPO wagen. Ziel: Frisches Geld für den Kampf um die Vorherrschaft am immer umkämpfteren Markt für Fleischalternativen.

2) “New Food”-Unternehmen versuchen sich vermehrt an Ingredient-Branding
Auf der Suche nach zusätzlichen Potenzialen versuchen sich erste Altprotein-Marken als Ingredient Brands. Kürzlich erst hat vly bekannt gegeben, beim System Gastronomen L’Osteria als pflanzliche Milchalternative eingesetzt zu werden. Auch Beyond Meat versucht es vermehrt mit Kooperationen, bspw. mit Pizza HutKFC oder McDonald´s. Eine Zusammenarbeit kündigten kürzlich auch The Vegetarian Butcher und Domino’s Pizza an. Diese Kooperationen werden sich in diesem Jahr häufen.

3) Schlechte Nachrichten für Lebensmittel aus Insekten
Es gibt bereits Hühnerschnitzel aus Soja, die dem Original in nichts nachstehen, Rindfleischburger die saftig und “blutig” sind, aber rein garnichts tierisches an sich haben und Muskelzellen aus “richtigen” Fleisch, das im Labor kultiviert wird…
was sollen wir da noch mit Insekten?

Wie ich bereits in Ausgabe #4 des FOODVERSE Newsletters dargelegt habe, spricht allmählich sehr wenig dafür, dass Insekten unsere Proteinquelle der Zukunft werden. Erste Startups haben dies bereits erkannt. Und auch in diesem Jahr werden Insekten-Startups eher weniger, als mehr.

PS: Ein Blick auf den Status Quo des Markes für alternative Proteine wartet dieses Jahr auch noch auf euch – hier im Newsletter.

GASTRO – GHOST KITCHENS

Ghost Kitchens gewinnen in Deutschland an Relevanz
Da das Thema Ghost Kitchens in Deutschland noch sehr unbekannt ist, hier eine kleine Erklärung: Ghost Kitchens, manchmal auch als „Dark Kitchens“ oder „Cloud Kitchens“ bekannt, sind eine neue Art von „Third Place“-Räumen, die die Restaurantbranche lautlos verändert haben. Es sind Restaurants ohne Tische, ohne Stühle – gänzlich ohne Speisesaal. Der Fokus liegt auf dem Liefergeschäft. 
Das ist zum einen sehr effizient und birgt einiges an Potenzial. Übrigens auch für Influencer und Co. wie das Beispiel “Mr. Beast” zeigt. 

Gute Nachrichten für alle, die sich nicht einigen können, ob nun Pizza, Chinesisch oder Burger bestellt werden. Jeder bestellt was er will und alles kommt mit einer Lieferung. 
So ganz ist das Thema dann doch nicht an Deutschland vorbeigegangen: Mit eatclever und chefly gibt es bereits zwei Unternehmen, die sich an einschlägigen Konzepten versuchen. Doch dieses Jahr wird die Konkurrenz deutlich größer.
Und in einer diesjährigen Newsletter-Ausgabe werfen wir mal einen Blick über Atlantik und schauen uns die Entwicklung in den USA genauer an.

KOCH-ROBOTER

Erstes Robo-Restaurant eröffnet in Deutschland (als PR Maßnahme) 
Es klingt nach Sience Fiction und doch arbeiten bereits einige Unternehmen an Robotern, die unser Essen zubereiten (na klar, ein Deep Dive dazu folgt). Auch in Deutschland ist sich ein Gründerduo sicher, dass ihr Roboter “Aitme” schon bald in Kantinen eingesetzt werden kann.
Bis zum vollautomatisierte Restaurant wird es wohl noch etwas dauern. Aber in diesem Jahr werden die Experimente mehr und ernsthafter. Und wir werden die Möglichkeit erhalten, uns von einem Robo-Chef bekochen zu lassen – wenn auch erstmal nur als PR-Aktion. 

METAVERSE, NFT UND BLOCKCHAIN

Deutsche Food Brands versuchen sich an NFTs
Halten wir es kurz: denn die Vorhersage ist definitiv nicht sehr weit hergeholt. Es wird dieses Jahr wieder viele, wilde Versuche geben, Food mit Crypto zu verknüpfen. NFT-DropsMetaverse-Stores… der Crypto-Hype geht auch an Lebensmittel Marken nicht vorbei.