#8 | Predictions 2022 (1/2) – Delivery, Bio, Edibles & Podcasts • News Bites • WHAPOW

Gooooood Morning Foodversianer, 

was der Dezember für Jahresrückblicke ist, ist der Januar für Prognosen und Vorhersagen.
Und auch ich kann es mir nicht verkneifen, einen Blick in die Poké Bowl zu werfen und versuche mich in diesem und dem kommenden Newsletter an ein paar Predictions für 2022.

Also, Kaffee austrinken und mal schauen, was der Kaffeesatz zu sagen hat.

Philipp 🤙
Predictions 2022 (Teil 1/2)
FOOD DELIVERYStarten wir mit dem Hype-Thema des vergangenen Jahres: Lebensmittellieferdienste. Bei der Entwicklungsgeschwindigkeit, die dieser Markt mit sich bringt, ist es nicht verwunderlich, dass auch 2022 viel passieren wird. Und ihr dürft euch auch schon bald über einen Deep Dive zum Thema freuen.

1) Amazon kauft europäischen Quick Commerce Anbieter
Okay, fangen wir mit etwas gewagten an. Denn, was Amazon im Lebensmittelmarkt plant, weiß der weltgrößte Konzern bislang selbst nicht so richtig. Und dennoch ist eines klar: Das Unternehmen aus Seattle möchte sich den Milliardenmarkt “Food” nicht entgehen lassen. Nach dem Kauf des US-Bio-Händlers Whole Foods war für alle klar, dass Jeff Bezos schon bald zum Angriff auf Walmart bläst. Doch seit dem ist außer Experimenten und Rabatten für Prime-Kunden wenig passiert. So mancher prognostiziert für dieses Jahr sogar bereits den Untergang von Whole Foods. Soweit möchte ich nicht gehen. Aber Fakt ist: Amazon kommt nicht voran. Auch der hauseigene Lieferdienst Amazon Fresh kommt nicht in die Gänge. Doch mit dem neuen Chef, kommt auch ein neues Konzept. In Großbritannien probiert sich Amazon nun als Plattform für Supermärkte, ähnlich dem Konzept von Instacart
Doch wird es in Europa allmählich eng und die Lieferfahrer knapp. Es wäre für Amazon also nur der logische Schritt, auf erneute Experimente zu verzichten, die Erfahrungen von Gorillas und Co. für sich zu nutzen und deren Infrastruktur zu übernehmen. Dann wohl unter der Marke Amazon Fresh.

2) Weniger Venture Capital, mehr IPO-Ankündigungen 
Alle reden von der großen Konsolidierung. Doch tippe ich in 2022 eher auf ein Übergangsjahr. Bis auf 1-2 Übernahmen und/oder Rückzügen wird erstmal das in 2021 angesammelte Risikokapital verbrannt. Darüber hinaus wollen Investoren üblicherweise ihre Geld vervielfachen. Am besten funktioniert das in diesen Sphären über den IPO (mal abgesehen von einer Milliarden-Übernahme durch Amazon). Über Börsengänge wird dieses Jahr viel gesprochen. Dazu wird es aber wohl noch nicht so schnell kommen. Maximal über einen schnellen SPAC

3) Aldi und Lidl weiterhin ohne klare eFood-Bemühungen
Ja, nein, vielleicht. So in etwa sieht die eFood “Strategie” der deutschen Discounter Aldi und Lidl aus. Anfang 2021 kündigte ALDI noch stärkere Investitionen in Online-Lebensmittel an. Passiert ist seit dem nichts. Der Billigpreis-Vorreiter läuft in Sachen eFood ähnlich hinterher, wie Mitbewerber Lidl (Schwarz Gruppe). Beide setzen gegenwärtig zwar auf Online, hier aber nur auf Non-Food und Aktionsprodukte. Das Liegt vermutlich daran, dass der Markt bislang keine Rentabilität mit sich bringt. Trotz Pandemie und dem Hype um die 10-Minuten-Lieferdeinste kauft letztendlich kaum jemand Lebensmittel online.
Doch das Abwarten könnte die Discounter teuer zu stehen kommen.
REWE als Vorreiter, Picnic als gewissenhafter Herausforderer und ein Haufen an “10-Minuten-Rebellen” könnten es den Billigheimern schwer machen. Von den lauernden US-Riesen ganz zu schweigen.

4) Abwärtstrend bei Eismann und Bofrost
2021 war ein super Jahr für zwei alte Bekannte: Bofrost und Eismann liefern seit Jahrzehnten Tiefkühllebensmittel an die Haustür. Und selten lief es so gut wie im vergangenen Pandemie-Jahr. Doch die Zahlen täuschen darüber hinweg, dass es bis 2020 deutlich nach unten ging. Beide Unternehmen haben es verpasst, ihre Infrastruktur für mehr Innovation zu nutzen und sehen sich nun dem Druck neuer Anbieter gegenüber. 2022 kehrt sich der Trend wieder ins Negative um.
 BIO LEBENSMITTEL Neues Rekordjahr für Bio
Bio-Lebensmittel haben längst den Übergang in den Mainstream geschafft. Trotz der zunehmenden, pandemie-bedingten Existenzängste war das Jahr 2020 das beste Bio-Jahr überhaupt. Und auch wenn die Branchenzahlen noch fehlen: Erste Aussagen aus dem Handel sprechen dafür, dass es 2021 so weiterging. Bio-Lebensmittel sind auf dem Weg, dass neue “Normal” zu werden. Und die neue Ampelregierung wird sicherlich dazu beitragen, dass das Wachstum auch 2022 so weiter geht.
 EDIBLES Cannabis-Legalisierung für 2022 noch ohne Relevanz
Die Resonanz auf die im Koalitionsvertrag festgehaltene Legalisierung von Cannabis war groß und auch ich berichtete in Newsletter (Ausgabe #3) begeistert von dem Potenzial für den Lebensmittelmarkt. Doch der geplante Schritt ist enorm und es wird vermutlich die gesamte Legislaturperiode dauern, um die Legalisierung durchzusetzen. Bis wir THC-Gummibärchen und Hasch-Kekse im LEH oder Onlineshop kaufen können, wird es noch eine weile dauern.
 FOOD PODCASTS Audio bläst zum Angriff auf Video-Content
Hört ihr Podcasts? Je nach dem, wen man diese Frage stellt kommt man entweder zu dem Schluss, dass sie jeder hört – oder eben niemand. Fakt ist, dass hier noch einiges an Potenzial schlummert. Während hierzulande noch True Crime, Comedy und Talk an der Spitze stehen, zeigt ein Blick in die USA: Food und Audio – das funktioniert. Ob Kochpodcasts (Rezepte auf Anleitung), Trendpodcasts (Was ist der neuste Shit?) oder einfach Interviews und Talk. Bisher versuchen sich hierzulande – neben einigen Nischen-Podcasts – nur EDEKA (“Iss so”) und Try Foods (“Geschmackssache”) mit Konzepten, die sich an Endverbraucher*innen wenden. Das wird sich dieses Jahr ändern.
Natürlich wird es auch zu diesem Thema bald einen spannenden Deep Dive geben, in dem wir einen Blick auf die interessantesten Podcast-Konzepte werfen.


Genug für heute…

In der kommenden Ausgabe geht´s dann weiter. Freut euch auf die Themen “New Food / Altproteine”, “Gastro & Ghostekitchens” sowie Robotik und das Metaverse.
News Bites
Die Verbraucherzentrale Hamburg kürt die Mogelpackung des Jahres 2021. Die “glücklichen” Nominierten: Bahlsen, Homann, Nestlé, Knorr und Griesson – de Beukelaer. Wir sind gespannt…

Das Food Innovation Camp gibt uns einen Überblick über die wichtigsten Food Events des Jahres.   

Kommen nach den Veganern jetzt die Klimatarier? Der schweizer Tagesanzeiger wirft einen interessanten Blick auf eine Food-Bewegung, die bisher noch unter dem Label “Vegetarier / Veganer” geführt wird: Die Klimatarier.
Klimatarier*innen richten den Blick auf das große Ganze: Abholzung, Anbauflächen, Bodennutzung, Energieverbrauch, Wasserverbrauch, Pestizideinsatz, Transportwege, Verarbeitung, Kühlung, Lagerung und sogar Food-Waste – all diese Faktoren spielen bei der Herstellung von Esswaren eine Rolle und fallen ins Gewicht.
Erstmals taucht der Begriff “climatarian” 2015 in einem New York Times Artikel über Food-Trends auf. Ein Jahr später wurde er offiziell vom Cambridge Dictionary aufgenommen.
Damit wird die Angabe des CO₂-Verbrauchs für Lebensmittel immer wichtiger. 
Startup Corner
WHAPOW – das gesunde Eis, oder so ähnlich
Was WHAPOW ist, können selbst die Gründer nicht so richtig erklären. Am ehesten lässt es sich wohl als gefrorener Green Smoothie einordnen. Das Fruchteis mit einem hohen Anteil Spirulina Alge ist so etwas wie die gesunde Eis-Alternative, kann aber auch als Grundlage für grüne Smoothies oder Bowls herhalten.
Das will ich testen