#40 | Vom Startup zum Fuckup

Moin Foodians,

Vor einigen Jahren hatte ich eine Geschäftsidee. Da ich schon des längeren damit liebäugelte, ein eigenes Food-Startup zu gründen, machte ich mich an die Arbeit. Warum aus dem Startup ein Fuckup wurde, erfahrt ihr im Beitrag der Woche.

Peace!

Philipp

 

Vom Startup zum Fuckup

Hast du schon mal eine Backmischung verwendet? Selten möchte man dies offen zugeben. Kein Wunder: Immer dieselben "altbackenen" Sorten, wenig Markenvielfalt, wenig Bio, kaum vegan und eigentlich alles viel zu süß.
Es war die Gelegenheit, meinem Wunsch nach einem eigenen Food-Startup nachzugehen...
Heute möchte ich euch (m)ein Startup "Bakely" vorstellen. Ein Unternehmen, das es nie gegeben hat und auch nie geben wird.
Es ist spannend, sich mit einer eigenen Geschäftsidee auseinanderzusetzen. Endlich kann man die Methoden anwenden, die man im Studium beigebracht bekommen hat. Wettbewerbsanalysen, Marktanalysen, Konzeptentwicklung, Markenrecherche und so weiter.
Außerdem wird man schrittweise zum Experten in Dingen, mit denen man bisher nie Berührungspunkte hatte. So konnte ich irgendwann problemlos die Eigenschaften von Xylit, Erythrit und anderen Zuckerersatzstoffen herunterbeten und über die Bindungsstärke von Guarkernmehl und Johannisbrotkernmehl philosophieren.
Design ohne Titel
Warum eigentlich Backmischungen?
Es macht einfach keinen Spaß, Backmischungen zu benutzen. Mit Blick auf die Zutatenliste stellt man fest, dass viele der Zutaten noch eingekauft werden müssen, darunter natürlich auch Eier. Damit hat sich der vegane Kuchen gleich erledigt. Und Bio ist auch nicht. Und glutenfrei schon gar nicht. Und dann noch dieser Zucker...
Ich wollte etwas entwickeln, was für alle geeignet ist, was schmeckt und was Spaß macht.
Meine persönlichen Fuckups und was man daraus lernen kann
Es war für mich eine Enttäuschung, aber auch eine Erleichterung, als ich mich dazu entschlossen hatte, das Projekt aufzugeben. Heute kann ich ohne Wehmut auf die Fehler zurückblicken, die hoffentlich anderen dabei helfen werden, ihren Wunsch nach einem Food-Startup wahr werden zu lassen.
Fuckup #1: Nur so nebenbei geht´s nicht!
Anfangs war es ein Hobby und später ein Nebenprojekt, doch es kam immer zuletzt. Alle paar Wochen für ein paar Stunden recherchieren und alle zwei Monate ein bisschen Produktentwicklung betreiben... so funktioniert das nicht. Natürlich kann man neben Job, Freunden und Familie auch ein Startup gründen - das haben bereits viele bewiesen. Aber irgendwas oder irgendwer muss das Nachsehen haben und wenn man dieses Projekt nicht mit der notwendigen Ernsthaftigkeit verfolgt, läuft einem irgendwann die Zeit weg und andere sind schneller.
Fuckup #2: Nicht alles selber machen!
Ich liebe es, mich mit neuen Themen auseinanderzusetzen. Wie funktioniert dies, wie geht das. So wollte ich auch für mein Startup alles selber machen. Das Konzept, die Rezepte, das Logo, das Packaging-Design. Viel zu viele dieser Dinge musste ich mir erstmal beibringen und alles kostet unglaublich viel Zeit. Dabei gibt es heute so viele Möglichkeiten, zu angemessenen Preisen Unterstützung zu erhalten (z.B. für Grafikdesign).
Es ist die klassische Frage nach dem "Make or Buy", die man sich direkt am Anfang beantworten sollte. Lautet die Antwort immer "Make", wird es dein Startup vermutlich nie geben.
Fuckup #3: Lebensmittel sind kompliziert!
Es gibt Lebensmittelkategorien, die sind verhältnismäßig einfach zu händeln. MyMuesli ist nicht nur eines der Paradebeispiele für gute Food-Startups, sie haben auch ein Produkt gewählt, die der Traum jedes Produktentwicklers ist. Zutaten auswählen, mischen, fertig. Bei vielen Kategorien sieht das anders aus. Rohstoffe, die sehr unterschiedlich miteinander interagieren, Mischverhältnisse, bei denen wenige Gramm entscheiden, ob ein Produkt funktioniert, oder nicht. Außerdem gibt es teils sehr komplizierte Lebensmittelrechtliche Vorgaben. Selten geht es so einfach, wie beim Passauer Müsli-Pionier.
Fuckup #4: Fokus, Fokus, Fokus!
Bakely sollte alles vereinen: vegan, bio, glutenfrei, kalorienarm, proteinreich... Das funktioniert allerdings nicht. Es heißt nicht ohne Grund "Nischen". Man kann nur selten viele und schon gar nicht alle Nischen unter einen Hut bringen. Hätte die Backmischung wirklich Glutenfrei sein müssen? Warum unbedingt viel Protein und warum kalorienarm? Hätte nicht auch vegan und bio gereicht? Alleine die Herstellung einer Backmischung ohne Ei ist schon schwierig. Wenn dann auch noch das Klebereiweiß Gluten wegfällt, wird es kompliziert.
Fuckup #5: Machen!
Irgendwann muss es weitergehen und irgendwann soll es auch los gehen. Verbessern kann man Dinge immer. Das geht auch noch, während man bereits gestartet ist. Iteratives Arbeiten nennt man das. Doch das ist gar nicht so leicht. Ich musste mich regelrecht dazu zwingen, Teilprojekte als abgeschlossen zu betrachten, damit ich mit dem nächsten Abschnitt starten konnte. Das hat aber nur selten funktioniert. Darum ging es nicht weiter und aus diesem Grund gibt es heute kein Bakely.
Ich hoffe, ihr lernt daraus.

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