#37 | Es wird Zeit für “One Label”

Moin Foodians,

vor einigen Wochen reagierte Edeka auf die zunehmenden Inflationsängste mit der Kampagne "In jedem Edeka steckt ein Discounter", was der Discount gar nicht lustig fand. Lustig hingegen ist die nun veröffentlichte Reaktion von Lidl, die den Konkurrenten unter dem Alias "Groß und Teuer" ziemlich auf die Schippe nehmen.

Peace!

Philipp

 

Schluss mit dem Siegel-Wahn. Zeit für Lösungen!

Transparenz ist gut und wichtig. Doch betrachtet man die gegenwärtigen Entwicklungen, wird das zukünftige Verpackungsdesign von Siegeln dominiert. Schon jetzt finden wir auf einschlägigen Produkten Kennzeichnungen über den ökologischen Anbau (Bio), Haltungsformen, Faire Anbaubedingungen und nicht zu vergessen den Nutri Score.

Verantwortliche Unternehmer*innen, die "gute" Produkte vermarkten, werden dafür bestraft, in dem sie umständlich und unübersichtlich nachweisen müssen, dass ihre Produkte mehr als "konventionell" sind - durch Siegel. Viele Siegel!

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Bei vielen dieser Themen war die Politik bisher zu langsam. Jetzt kommt Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir mit einem eigenen Tierwohl Label um die Ecke, was die Initiativen von Herstellern und Handel zunichtemachen könnte.
Währenddessen arbeitet die Privatwirtschaft bereits an Klimakennzeichnungen wie dem Eco- bzw. Planet-Score. Erneut ist die Politik zu langsam.
Die Folge sind viele, uneinheitliche Lösungen und von Siegeln überzogene Verpackungen. Dabei könnte es so einfach sein.
Kaum ein Verbraucher oder Verbraucherin interessiert sich für tiefergehende Details. Lebensmittel sind Fast Moving Consumer Goods (FMCG) und absolute Low-Involvement Güter.
Natürlich möchten alle gesund, nachhaltig und fair einkaufen, aber niemand möchte 30 Minuten die Verpackung von tiefgekühlten Chicken Nuggets studieren.
Jeder UXler schlägt die Hände über den Kopf, beim Anblick der gegenwärtigen Siegellandschaft.
Es braucht einfache, visuelle Erkennungszeichen, die uns sagen, ob das Produkt die eigenen Anforderungen erfüllt, oder nicht.
One-Label

Reicht nicht ein Label für alle wichtigen Themen?

Selbstverständlich ist es nicht "einfach". Alle diese Themen sind hochkomplex und es bedarf einer Übersichtlichkeit, die den Sinn der Kennzeichnung nicht verliert.
Trotzdem sollte es nicht so schwer sein, ein Label zu entwerfen, was die Themen Tierwohl, Ökologischer Anbau, Klimaverträglichkeit, Fairness und Ernährung vereint.
Das obige Bild zeigt eine potenzielle Lösung. Ein Kreis, der aus mehreren Skalen besteht und deutlich aufzeigt, wie stark das Produkt auf die genannten Themen einzahlt.
Gleichzeitig sind die Themen so angeordnet, dass je Kategorien auf Bereiche des Kreises verzichtet werden kann. Schokolade erfüllt schließlich keine Kriterien zum Tierwohl und bei Fleisch geht es selten um Faire Anbaubedingungen.

Verbraucher*innen könnten mit einem Blick erfassen, ob und wie "gut" das Produkt ist und die Verpackung erhält wieder mehr Platz für Layout und Branding.
Doch für eine solche Lösung braucht es die Politik und eine einheitliche Lösung für alle.