#31 | Was hat eine KI mit Food Trends zu tun?

Moin Foodians,

das Foodverse meldet sich zurück aus der Sommerpause. Lehnt euch zurück, schnappt euch ein Ketchup-Eis - oder lasst es euch von einem fliegenden Gelatiero bringen - und viel Spaß mit dem Newsletter.

Heute schauen wir uns mal an, warum ein Unternehmen glaubt, durch KI die neuesten Food Trends und beliebtesten Geschmäcker zu entschlüsseln.

Wer doch lieber auf alt-bewährtes zurückgreifen möchte, darf auf keinen Fall die Jubiläumsausgabe des neusten Food Reports verpassen.

Hauptsache, das nächste Produkt wird kein Griff ins Klo

Peace!✌️

Philipp

 

Tastewise - was hat KI mit Food Trends zu tun?

Vor einigen Monaten bin ich über eine Meldung gestolpert, die schlagartig meine Aufmerksamkeit erlangte: "Tastewise Raises $17M in Series A Funding". "Tastewise" fragte ich mich... "Taste" wie "Geschmack"?
Als Food-Interessierter wollte ich natürlich wissen, worum es bei diesem Unternehmen ging und war verblüfft. Ich hatte noch nie davon gehört und in deutschsprachigen Online-Medien ist nichts dazu zu finden.
Dabei hat das Startup aus Israel nichts geringeres vor, als die Entdeckung und Analyse von Food Trends zu revolutionieren.

 

Bisher ist die Suche nach neuen Trends, Produkten und Sorten sehr aufwendig. Meist unterhalten Unternehmen riesige Netzwerke von Trend-Scouts, die weltweit Restaurants, Supermärkte und Messen im Blick haben, oder führen teure und aufwändige Konsument*innen-Befragungen durch.
Tastewise hingegen bietet eine KI-gestützte Plattform, die Lebensmittelmarken hilft, Produkte auf der Grundlage von Verbraucherdaten zu entwickeln.
Aber was macht Tastewise anders?
Das 2018 von Alon Chen und Eyal Gaon gegründete Startup spart sich die menschlichen Scouts und scannt in die, in den Vereinigten Staaten und Großbritannien, im Internet veröffentlichten Speisekarten von Restaurants, Cafés und Co. sowie Veröffentlichungen auf Bewertungsplattformen und sogar Google-Profile. Außerdem fließen sämtliche Social Media Food-Posts sowie Beiträge von Food-Bloggern in die Daten mit ein (vgl. Deininger und Haase 2021).
Im Falle von Social Media analysiert das Unternehmen sogar das Stimmungsbild einschlägiger Beiträge anhand von Emojis, Hashtags oder sogar geschriebener Texte, in dem Adjektive und Verben ausgelesen und emotional interpretiert werden (vgl. Deininger und Haase 2021).

 

Tastewise beschleunigt damit den langwierigen Prozess der Datensammlung enorm, was in einem derart dynamischen Umfeld, wie der Lebensmittelbranche unverzichtbar ist.

Dank ihrer KI-basierten Analyse konnte Tastewise in der Vergangenheit bereits einige Trends ziemlich genau vorhersagen, darunter den zunehmenden Fokus funktioneller Lebensmittel und den rasanten Aufstieg pflanzlicher Fleischalternativen. So erkannte das Startup, dass im Laufe der COVID-19-Pandemie 1.320 Prozent mehr pflanzliche Fleischalternativen auf den Speisekarten der Gastronomie erschienen als davor.

Das konnte auch namenhafte Unternehmen der Branche überzeugen. Im Kundenstamm des Daten-Unternehmens finden sich bereits Namen wie Nestle, PepsiCo, Kraft Heinz, Campbell's und JustEgg.
Nach dem schnellen Wachstum soll die neue Finanzierung nun die Expansion in neue Märkte ermöglichen, darunter Kanada, Australien, Deutschland, Frankreich und Indien.
Deininger und Haase machen in ihrem Buch "Food Code" allerdings darauf Aufmerksam, dass die Ansätze von Tastewise nur einen Blick in die Vergangenheit bieten, was alleine nicht ausreicht, um Unternehmen wichtige Impulse und Informationen über die Zukunft zu geben. "Als würde man beim Autofahren ausschließlich in den Rückspiegel schauen und hoffen, dass die schnurgerade Straße, die hinter einem liegt, genauso schnurgerade weitergeht." (Deininger und Haase 2021).
Es braucht also auch zukünftig mehr, um den Wandel unserer Ernährung im Blick zu behalten.