#3 | Cannabis-Edibles • Koalitionsvertrag • Streusel 2.0 • Corona + Food-Aktien

Moin,

es ist soweit: Cannabis soll legal werden. So zumindest ist es im Koalitionsvertrag festgehalten. Das ist vermutlich der Startschuss zu einer blühenden Industrie (man honoriere bitte das Wortspiel). 
Durch die Anpassung des Betäubungsmittelgesetzes dürfte sich ein gänzlich neuer Geschäftszweig im Lebensmittelmarkt ergeben.
In den USA gehören Edibles – also Lebensmittel mit psychoaktiven Cannabinoiden – bereits in jedem Cannabis-Store zu Stammsortiment.
Mehr dazu im Deep Dive.

Jetzt nur noch schnell diesen Ohrwurm los werden und los geht´s.

Philipp 
Deep Dive
Edibles: Welche Auswirkungen hat die die Legalisierung von Cannabis den Food-Markt? 
Für eine Prognose, wie sich die im Koalitionsvertrag festgehaltene Legalisierung von Cannabis auf den Food-Markt auswirken wird, braucht es keine Glaskugel. Es reicht ein Blick “über den Teich”.
In den US-Bundesstaaten Washington und Colorado ist die nicht-medizinische Verwendung von Cannabis bereits seit 2012 zugelassen. Bis Heute zogen 9 weitere Bundesstaaten nach.

Neben der üblichen Art, Cannabis zu konsumieren, wurden auch Lebensmittel, die Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten, immer beliebter. Um die so genannten Edibles mit ihrer psychoaktiven Wirkung, sind wahre Lifestyle Brands entstanden.
Und mit diesen lässt sich richtig viel Geld verdienen.
 
Während sich das Marktvolumen aktuell noch um die 3,5 Mrd. Dollar bewegt, wird bis 2025 mit einer Verdreifachung gerechnet. 

So sind einschlägige Startups bereits zu großen Unternehmen herangereift, gleichzeitig aber noch klein genug, um attraktiv für Akquisitionen größerer Konzerne zu bleiben.
So plant bereits das kanadische Cannabis-Unternehmen Canopy Growth, den bislang führenden Edible-Hersteller Wana zu übernehmen.
Neben Wana, teilen sich den Markt gegenwärtig vier weitere Hersteller: AzucaCoda-SignaturMedPharm und Quicksilver Scientific.

Betrachtet man die Marken einmal genauer, stellt man fest, dass sich der Großteil des Absatzes auf Cannabis-Gummibärchen zu konzentrieren scheint.
Dabei fing alles mit Hanf-Schokolade an. Seit dem hat sich aber eine breite Produktpalette entwickelt. 
Neben der psychoaktiven Wirkung dient insbesondere der potenzielle medizinische Nutzen als Verkaufstreiber.

Wer glaubt, dass man nach der Legalisierung in Deutschland nun das große Geld machen kann, sollte sich vielleicht doch noch einmal gründlich umsehen. Denn Cannabis ist kein neues Thema in Europa. Es gibt bereits einige größere Hersteller, die medizinische Produkte herstellen und andere, die sich auf Produkte um den Inhaltsstoff CBD spezialisiert haben. Im Gegensatz zu THC ist CBD nicht psychoaktiv und verursacht keinen Rauschzustand.
Einen schnellen Überblick führender Unternehmen bietet die Zeitschrift T3N in einem aktuellen Beitrag

Besonders interessant ist dabei eine genauere Betrachtung der beiden Unternehmen Sanity Group und SynBiotic.
Die erstgenannte Sanity Group machte nicht nur bereits deutschlandweit durch eine groß angelegte Kampagne ihrer Lifestyle-Marke VAAY auf sich aufmerksam, sondern zuletzt auch durch prominente Investoren um Klaas Heufer-UmlaufSnoop DoggMario Götze und Fynn Kliemann. Letzterer baut sogar Hanf an und liefert exklusiv an die Sanity Group.

Der zweite “Player to Watch” ist SynBiotic. Die Allgäuer reden offen von ihren Plänen ein “Cannabis-Imperium” aufzubauen. 
Anders als die Sanity Group finanziert sich SynBiotic an der Börse. Und logischerweise hat die Aktie seit der Vorlage des Koalitionspapiers einen riesigen Sprung gemacht.

Zusammenfassend: Um die Legalisierung von Cannabis und den Einsatz von THC in Lebensmittel wird sich einen ganz neuen Markt entwickeln. Den Großteil dieses neuen Marktes werden sich allerdings bereits existierende Unternehmen aufteilen, die bereits einschlägiges Know-How besitzen.
Doch wie immer werden sich einige Nischen auftun, die Startups für sich nutzen können. Der “Kuchen” wird groß und jeder mit einer Idee und Durchhaltevermögen wird sich einen Teil sichern können.
Special
Wie die Ampel gute Lebensmittel und gesunde Ernährung fördern möchte.

Natürlich findet sich in den gemeinsamen Plänen von SPD, FDP und Grünen auch ein Abschnitt zum Thema Landwirtschaft und Ernährung. Die wichtigsten Punkte folgend im Überblick:

Agrarpolitik: Mehr Wirtschaftlichkeit für NachhaltigkeitStärkung einer nachhaltigen flächendeckenden Landwirtschaft, durch eine gemeinsame Europäische Agrarpolitik mit weniger Bürokratie und Förderung der ländlichen EntwicklungKeine Patente auf Pflanzen und Tiere sowie weniger Gentechnik im AgrarbereichErhöhung der Attraktivität des Anbaus von EiweißpflanzenMehr Insektenschutz durch eine Personalaufstockung aller an der Pflanzenschutzmittel-Zulassung beteiligter Behörden sowie durch mehr Transparenz im Zulassungsverfahren für Wirkstoffe und PflanzenschutzmittelFörderung von mehr Digitalisierung im Agrarsektor für mehr Effizienz und nachhaltigere Lösungen
Tierschutz: Deutschland soll führende Rolle einnehmenKlarere Kennzeichnung der HaltungsformFörderung von Haltungsformen mit mehr TierwohlSchließung von “Lücken” im TierschutzrechtErforschung spezifischer Ausstiegsszenarien aus der konventionellen TierhaltungReduzierung des AntibiotikaeinsatzesVerkürzung von TiertransportzeitenStärkung einer nachhaltigen FischereiÜbrigens: Im Koalitionsvertrag taucht auch eine stärkere Ahndung von Einbrüchen in Tierställen auf. Das ist natürlich ein Tiefschlag für Tierschutzorganisationen, die regelmäßig Verstöße zwielichtiger Erzeuger aufdecken. 

Ernährung: Mehr Transparenz und höhere StandardsUnterstützung von Neugründungen im LebensmittelbereichKonzeption einer nationalen Reduktionsstrategie für Zucker, Fett und SalzMehr Transparenz durch eine verständliche und vergleichbare LebensmittelkennzeichnungSicherstellung einer verständlicheren NährwertkennzeichnungVerbindliche Kriterien für die Kennzeichnung vegetarischer und veganer LebensmittelWeiterentwicklung der HerkunftskennzeichnungDGE-Mindeststandards sollen in allen Kitas, Schulen und in der Gemeinschaftsverpflegung eingeführt werdenMehr Regulierung für Werbung, die sich an Kinder richtet
Lebensmittelverschwendung: Viel Theorie, wenig PraxisAuf der gesamten Wertschöpfungskette soll die Reduzierung von Lebensmittelverschwendung überprüft werdenFörderung intelligenter Verpackungen
In Summe klingt das erst einmal alles ganz gut. Wie bei allen Themen bleibt abzuwarten, was davon wirklich realisiert wird und welche Themen es über die Schwelle von “Erforschung” und “Konzeption” hinaus schaffen.
In einigen Punkten, insbesondere der höheren Transparenz für die Lebensmittelkennzeichnung, hängen die Pläne allerdings auch schon der Marktentwicklung hinterher. 
Da die alte Regierung zwar ständig mit einer Verschärfung gedroht, letztendlich aber keine Maßnahmen beschlossen hat, haben Marken und Unternehmen bereits eigene Lösungen entwickelt und somit auch einen Standard etabliert, der nun als Ausgangspunkt weiterer Diskussionen dienen wird.
Startup Corner
Weniger Langeweile in der Weihnachts-Bäckerei
Manche Geschäftsideen können so einfach sein. Einigen jüngeren Startups war die Auswahl an Zucker-Streuseln einfach zu langweilig, zu monoton, zu bekannt. Also gingen unter anderem Super Streusel und Happy Sprinkles hin und mischten Wortwörtlich den Markt auf. Wer sich also etwas mehr Originalität auf seinem Weihnachtsgebäck wünscht, sollte sich mal in beiden Onlineshops umsehen.
 
Börse
Covid-Variante stellt Börse wieder auf “Lockdown”-Modus
Die Nachricht der Coronavirus-Variante „Omikron“ (B.1.1.529) hat Food-Aktien wieder in einen altbekannten Modus geschickt. Während die Börsen weitestgehend rote Zahlen präsentierten, konnten die damaligen Corona-Gewinner “Delivery” positive Kurse aufweisen. Viele gehen anscheinend davon aus, dass das Weihnachtsmenü erneut geliefert werden muss.
Anders sah es bei den System-Gastronomen aus. Die Anleger sehen wieder schwere Zeiten auf McDonalds, Starbucks und Co. zukommen.