#28 | GoButler´s Legacy

Moin Foodians,

viele Startups behaupten ein "grünes" Produkt zu verkaufen. So auch das von Frank Thelen finanzierte air up, dessen Nachhaltigkeitsversprechen kürzlich vom Online-Magazin "flip" auseinandergenommen wurde. Darauf angesprochen ergriff der Star-Investor die Flucht, was für einen viralen Video-Hit sorgte.Vielleicht wollte Franky sich aber auch nur schnell das 9-Euro-Genuss-Ticket bei Peter Pane sichern.Sicherlich nichts für unseren Gesundheitsminister Karl Lauterbach, der seine Kollegin wegen ihres Kitkat-Schokoriegels zurechtwies, mit Verweis auf die fragwürdigen Inhaltsstoffe.

Peace!✌️
Philipp

Deep Dive: Quick Commerce: Die Parallelen zu GoButler und Co.

Erinnert ihr euch noch an GoButler? Die Copycat des amerikanischen Vorbilds "Magic" startete 2015 mit seinem Concierge-Service, bei dem man per SMS diverse Leistungen von dem Startup erledigen lassen konnte. Rund um die Uhr buchte das Unternehmen für einen Flüge, reservierte den Tisch im Restaurant oder erledigte den Spontan-Einkauf. Der "Quick Commerce" war geboren.

Die Geschäftsidee kam so gut an, dass sich schnell prominente Investoren fanden: Joko Winterscheidt, Jared Leto und Ashton Kutcher investierten. Laut Winterscheidt stand zwischenzeitlich sogar ein Angebot von Mark Zuckerberg im Raum.
GoButler avancierte zum heißesten Start-Up des Jahres 2015. Klar, dass die Berliner nicht lange allein blieben. Mit SixtyoneMinutes und "James, bitte" gesellten sich zwei weitere Klone dazu und boten Konkurrenz in einem Markt, der es nicht leicht haben sollte.

Das Geschäftsmodell war eigentlich denkbar einfach: Es bestand in weitesten Sinne aus einem Callcenter, bei dem Angestellte die Anfragen persönlich entgegen nahmen, per SMS kommunizierten und die Aufgaben erledigten.
Der persönliche Butler für jeden und rund um die Uhr. Was klang, als wäre es zu schön um Wahr zu sein... entsprach auch nicht lange der Realität.

Kann man GoButler und Co. mit dem heutigen Quick Commerce vergleichen?

Auf den ersten Blick gibt es eindeutige Parallelen. Da wäre an erster Stelle natürlich die Liefergeschwindigkeit zu nennen mit der damals schon geworben wurde.
Darüber hinaus gehörten kurzfristige Lebensmittellieferungen - insbesondere Snacks und Getränke am späten Abend oder Nachts - zu den häufigsten Dienstleistungen der damaligen Bringdienste.
Und nicht zuletzt wäre da der Hype, den es um die Anbieter gab. Öffentlichkeit und Investor*innen stürzten sich regelrecht auf GoButler, SixtyoneMinutes und "James, bitte".

Nun stellt man sich automatisch die Frage: Steht Gorillas, Flink, Getir und Co. eine ähnlich Zukunft bevor? Bereits wenige Monate nach der Gründung und mit einer Mitarbeiterzahl von annähernd 200 stellte GoButler seine Aktivitäten in Deutschland ein und verlegte den Hauptsitz von Berlin nach New York - ohne Dauerhaften Erfolg. Auch die Mitbewerber scheiterten.
Woran lag es?

No App, No Business: GoButler und Co. waren keine Software-Unternehmen, sondern vielmehr bessere Callcenter. Anfragen wurden umständlich per SMS oder WhatsApp eingereicht, was auch an dem offenen Angebot lag, aber kompliziert und teuer war. Auch der spätere Versuch, eingehende Anfragen zu automatisieren, scheiterte. Heute haben einschlägige Anbieter eigene Apps und ausgeklügelte Algorithmen definieren das Picking und die Lieferwege. Außerdem wäre da der Faktor "Daten". Diese dienen zur Verbesserung des Geschäftsmodells, des Sortiments und der Personalisierung, was die Effizienz und letztendlich die Geschäftsfähigkeit verbessert. Damit konnte GoButler nicht mithalten.

No Focus: Die damaligen Dienste hatten kein fixes Sortiment. Die Anfragen waren nicht planbar und aufgrund der "Wir erledigen alles"-Mentalität musste sich das Personal mit vielen unsinnigen oder komplizierten Anfragen beschäftigen, ohne, dass es je zum Abschluss kam. Dabei war ein Großteil der Anfragen weitestgehend planbar. "Chips und ein Kasten Bier in einer Stunde... kein Problem".
Aber, auch der heutige Quick Commerce testet vermehrt auch Sortimente - insbesondere Non-Food oder gänzlich andere Kategorien - die sich für das Geschäft mit den schnellen Lieferungen eigenen könnten. Dazu gehören Geschenk-Gutscheine, Smartphone-Netzteile, Geschenksets, Leuchtmittel und sogar Kleidung. So testete Flink in Köln an Karneval den Verkauf von Kostümen.

Human Resources: Letztendlich ist das kostspieligste an Liefermodellen immer der Mensch. Auf den intensiven Einsatz personeller Ressourcen kann ein Lieferunternehmen (noch) nicht verzichten und die Skalierung hängt eins zu eins an der Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit dieser. Eben dieser Faktor lässt so viele an der Überlebensfähigkeit von Quick Commerce zweifeln und war für GoButler und Co. noch viel wichtiger.

Mein Fazit: Es gibt viele Parallelen und man kann nur hoffen, dass sich die Gründer, CEOs und COOs ausgiebig mit der kurzen Geschichte des Butler-Commerce beschäftigt haben.
Dennoch zeigt der Vergleich einige wichtige Unterschiede auf, die dafür sprechen, dass diesmal alles anders werden könnte.
Vielleicht war die Zeit damals einfach noch nicht reif.

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