#27 | Creator Economy ohne Creator

Moin Foodians,

nach dem wir drei Wochen lang über Metaverse, NFT und Blockchain philosophierten, wird es Zeit für eine Erfrischung. Wie wäre es mit einem Eistee? Welche Sorte darf es sein? Zitrone, Pfirsich oder vielleicht doch lieber etwas ausgefallenes wie “Bali Edition” oder “Bubble Gum”?
Noch nie war die Auswahl an Eistees so groß. Grund ist die Creator Economy, welche diese Produktkategorie seit einiger Zeit für sich in Anspruch nimmt. Doch allmählich löst sich das Konzept von der ursprünglichen Idee und findet Einzug in die Startup- und Handelswelt – und zwar ohne Creator*innen.
Mehr dazu im Deep Dive.

Peace!
Philipp
DEEP DIVE
Wie sich der Eistee-Hype von der Creator Economy löst
Influencer*innen entwickeln sich gegenwärtig aus ihrer Rolle als Markenbotschafter heraus und beginnen, ihre eigenen Produkten zu vermarkten. Aus Influencer Marketing wird die so genannte Creator Economy.
Manche vermarkten Produkte, die sehr nah an der eigenen Personenmarke sind (z.B. Pamela Reif mit ihrer Marke “Naturally PAM”). Andere wiederum nicht. 
Warum ausgerechnet Eistee DAS Ding des Deutsch-Rap wurde, lässt sich nicht genau sagen, aber laut Lebensmittelpraxis lag es vermutlich an dem wachsenden Umsätzen des Segments und dem vergleichsweise geringen Wettbewerb.
Seitdem brachten gleich mehrere Rapper eigene Marken und Sorten auf den Markt. Angefangen mit BraTee von Capital Bra, über Shirin David´s Dirtea, bis hin zum Baba HafTea von Rapper Haftbefehl – worüber bereits ausführlich Berichtet wurde.
Doch der Hype löst sich gerade aus der Creator Economy heraus.
 
Creator-Products ohne Creator
Während das Grundprinzip der Creator Economy vorsieht, dass Creator*innen ihre Reichweite und Treue der Fans nutzen, um passende Produkte an ihre Community zu vermarkten, geht das Startup 4Bro den umgekehrten Weg. Das Produkt selbst ähnelt denen aus der Rap-Szene in Design und Sorten. Doch die Community galt es erst einmal aufzubauen.
Gründer Engin Ergün (hier im OMR-Podcast) ließ sich zum Produkt aus einem Gespräch in einem Shisha-Café inspirieren und baute drum herum eine Hype-Marke, die durch ein Loyalty-Programm, der 4Bro-App und eigener NFTs eine Community auf, ganz ohne Creator*innen. 
 
“Nächste Station: Eigenmarken”
Doch nun geht der Eistee-Hype noch einen Schritt weiter. Mit der Sub-Brand TASTEA brachte der Schweizer Händler Migros als erster Retailer einen “Creator-Eistee” unter der Preiseinstiegsmarke M-Budget heraus. Inspiriert durch den gegenwärtigen Hype entwickelte der Händler in Zusammenarbeit mit der Agentur WIN Creating Images die Sorten “Strawberry Watermelon” und “Marshmallow”.
Über das Design ließ der Händler die eigene Community abstimmen.
 
Das konnte Mitbewerber Galaxus (ein Tochterunternehmen von Migros) nicht auf sich sitzen lassen und lancierte mit Unterstützung des Schweizer Rappers Lil Bruzy den Balitea. Galaxus und der hauseigene Redakteur Simon Balissat – der gleichzeitig Namensgeber des Eistees ist – nehmen den Hype dabei allerdings nicht allzu ernst und positionieren den Balitea mehr als Parodie-Marke.
 
Und nun landet das Konzept auch im Deutschen LEH. Ebenfalls in Zusammenarbeit mit WIN Creating Images brachte die REWE Group den ThirsTea heraus. Die beiden Sorten “be one in a melon“ (Wassermelone) und “be a little tutti frutti“ (Schwarztee Mehrfrucht) gibt´s seit kurzem bei REWE und PENNY zu kaufen.
 
Spätestens jetzt sollte der Hype langsam seinen Peak erreicht haben. Ich würde jetzt jedenfalls niemandem mehr Empfehlen, auf den Zug aufzusteigen.

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