#19 | New Food Revolution (Teil 1/3) • eFood • Löblich Eistee

Moin Foodians,

bald ist es 10 Jahre her, dass die angesehene Trendforscherin Hanni Rützler den ersten Burger aus kultivierten Fleisch probieren durfte. Was nach Revolution klang, war allerdings nur ein kleiner Zwischenschritt eines langwierigen Evolutionsprozesses, der bereits 2004 begann. Unsere Wahrnehmung trügt uns häufig, was sicherlich auch an den Clickbaiting-Schlagzeilen vieler Medien liegt. Innovation braucht seine Zeit und Disruption passiert nicht innerhalb weniger Monate, sondern dauert viele Jahre und Jahrzehnte.
Das gilt auch für “New Food”, um deren Evolutionsstufen sowie der bevorstehenden Revolution es in den kommenden drei Newslettern gehen soll.

Peace!✌️
Philipp 

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Deep Dive
New Food – von der Evolution zur Revolution(Teil 1/3)
What the F**k is “New Food”?
Starten wir mit einer kleinen Einordnung von “New Food”. Eine offizielle Definition gibt es nämlich nicht. Im folgenden meint “New Food”, neu interpretierte,  neuartige oder alternative Proteinquellen für tierische Produkte. Häufig wird in dem Zusammenhang auch von Alternativen Proteinen (kurz “Altprotein”) gesprochen. Der Ursprung liegt in der Produktkategorie der “Ersatzprodukte”. Das greift aber zu kurz, weshalb sich der Begriff “New Food” allmählich durchsetzt. Im folgenden wollen wir uns konkret der Entwicklung von Fleisch widmen, stellvertretend für alle tierischen Produkte wie Fisch, Meeresfrüchte, Milch bzw. Milcherzeugnisse, Honig etc. 

Wie alles begann
Schreibt man über Evolution, sollte zunächst definiert werden, wo denn der Ausgangspunkt liegt. Ich erspare mir (und euch) mal die Geschichte davon, wie wir von Sammlern zu Jägern wurden, wie die Menschheit das Feuer entdeckte und Fleisch zu unserer wichtigsten Proteinquelle wurde.
Fangen wir lieber bei unserem ökologischen Tiefpunkt an: der Massentierhaltung.
An dieser Stelle könnte ich jetzt diverse Zahlen und Fakten niederschreiben, die belegen, warum unser Fleischkonsum so nicht länger tragbar ist. Mache ich aber nicht. Das haben uns diverse Studien und “unterhaltsame” Dokumentationen wie Cowspiracy ausreichend beschrieben und visualisiert.
Wann genau die Massentierhaltung begann, lässt sich nicht klar bestimmen. Aber es dürfte um die 1950er Jahre gewesen sein, als Fleisch einen Boom erlebte. Während in Deutschland 1950 noch um die 37 Kilogramm pro Person im Jahr verzehrt wurde, waren es 1980 schon mehr als 100 Kilogramm

Fakt am Rande:
Der erste europäische Vegetarier-Verein entstand bereits 100 Jahre früher. 1847 wurde in Manchester die Vegetarian Society of the United Kingdom gegründet

Wir verloren das Tier als individuelles Lebewesen aus den Augen und bewirtschafteten immer größere Bestände. Bis in die 1980er Jahre hinein gab es daran auch kaum Kritik. Selbst an der Friedens- und Ökologiebewegung der 1970er Jahre ging das Problem weitestgehend vorbei.
Erstmals taucht der Begriff “Massentierhaltung” in Deutschland 1975 auf – und zwar in der “Verordnung zum Schutz gegen die Gefährdung durch Viehseuchen bei der Haltung von Schweinebeständen”, welche meist einfach “Massentierhaltungsverordnung” genannt wurde.
In den 1990er Jahren entwickelte sich dann mit der biologischen Landwirtschaft ein Alternativmodell zur Massenproduktion von Fleisch und mit dem ersten BSE-Fall in Deutschland im Jahr 2000 nahm auch die vegetarische Bewegung so langsam Fahrt auf

Evolutionsstufe 1:
Bio – Fleisch, aber besser! 

Die ökologische Tierzucht und -Haltung könnte man als die erste große Evolutionsstufe von New Food bezeichnen. 2001 wurde in Deutschland das Bio-Siegel eingeführt und 2010 folgte dann auch eine EU-einheitliche Regulierung, gekennzeichnet mit dem EU-Bio-Logo. Seit dem steigt der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln stetig und stark an.
“Bio” war und ist ein sehr guter erster Schritt in eine ökologische und ethische Tierhaltung, aber aus diversen diversen Gründen nicht ausreichend, um von den gravierenden Problemen der Massentierhaltung wegzukommen.
Bio-Fleisch wird auch in ferner Zukunft eine relevante Rolle in unserem Fleischkonsum einnehmen, denn bei aller Alternativen wird Fleisch – vor allem in Hinblick auf die Kombination von Geschmack und Textur – nicht so leicht zu ersetzen sein. 

Evolutionsstufe 2:
Clean Label Vegetarismus – Tofu, die Lösung für alles! 


Trotz der besseren Bedingungen durch “Bio”, nahm um den Jahrtausendwende die Anzahl an Vegetariern stark zu, wenn auch erstmal auf sehr niedrigem Niveau. 2008 waren es noch rund 1,6% in Deutschland, heute verzichten bereits über 6% der deutschen Bevölkerung auf Fleisch und knapp 1% vollständig auf tierische Produkte. Zu Beginn fehlte es aber noch an einschlägigen Innovationen im Lebensmittelmarkt. Tofu war DAS Ersatzprodukt der “0er-Jahre” und die Bewegung ging einher mit dem Trend zum Verzicht auf Zusatzstoffen (Clean Label), was letztendlich nur natürliche, wenig verarbeitete Alternativen zu Fleisch zuließ. 

Genug für Heute!
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