#11 | Kompetitives Food-Marketing • Vegane Schüler • Liefertürke • Ayoka • Nährwerte

Gudn Morgähn, 

das Foodverse wächst nach bislang 10 Ausgaben recht zufriedenstellend.
Aber da geht noch mehr, denn Food geht uns alle was an. 

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Ach, was soll der Geiz… sagen wir 10.

Philipp
Deep Dive
Kompetitives Marketing im Food-Umfeld
Der Lebensmittelmarkt bietet ein sehr emotionales Umfeld, dessen Zielgruppe – insbesondere im Hinblick auf die Themen Gesundheit und Nachhaltigkeit – sehr empfänglich sind.
Das nutzen vermehrt Food-Startups, um sich im Marketing gegen die Politik oder die Branche zu positionieren und dabei als “Retter” oder “The Good One” zu positionieren.

Lemon Aid und das Problem mit dem wenigen Zucker
Nehmen wir das Beispiel Lemon Aid, wobei man der Marke hier kaum einen Vorwurf machen kann. Der “Kampf gegen das System” ging in diesem Fall nämlich nicht von dem Startup, sondern von der Politik aus.
Das in Bonn ansässige Verbraucherschutzamt mahnte den fairen Getränkehersteller nämlich ab, da dessen Limonaden zu wenig Zucker enthalten (ca. 5,6g), um als Limonade klassifiziert zu werden (ab mind. 7 Gewichtsprozent) und verwies dabei auf die Leitsätze für Erfrischungsgetränke des BMEL.
Lemon Aid nutzte daraufhin die Posse gezielt aus, um Werbung für die eigene Marke zu machen. Unter anderem platzierte das Startup ein Julia-Klöckner-”Denk-Mal” (man beachte das Wortspiel) aus Zucker vor dem Ministerium in Berlin und forderte eine Überarbeitung der Zucker-Untergrenze.

Oatly und die Frage nach “dem dummen Konsumenten”
Auch Oatly wehrte sich vor kurzem gegen den Irrsinn der Gesetzgebung. Diesmal auf EU-Ebene. Die ist nämlich sehr anfällig für die Lobby-Bemühungen der Milchindustrie und weigert sich zuzulassen, dass pflanzliche Milchalternativen das Wort “Milch” oder Vergleichbares auf die Verpackung drucken, mit dem Verweis auf Verbrauchertäuschung. Warum das bei Kokosmilch nie ein Problem war, wissen die Verantwortlichen wohl selbst nicht so richtig.
Jedenfalls nahm Oatly das zum Anlass, die Marke entsprechend lautstark unter dem Motto “Are you Stupid?” zu präsentieren. Mit der Kernfrage “Ist der Verbraucher so dumm, wie die EU ihn darstellt?” wendet sich das Unternehmen dabei an die breite Öffentlichkeit – unter anderem mit einem unterhaltsamen Video.

Planted präsentiert sich als “die bessere Alternative” zu Fleisch
Die tierische Lobby konnte jahrzehntelang an der aktuellen Gesetzgebung partizipieren und macht es pflanzlichen Wettbewerbern besonders schwer. 
Dagegen wehrt sich nun das Schweizer Startup Planted. Unter dem Titel „Better than” regt Planted dazu an, Fleisch und dabei insbesondere die schwerwiegenden Folgen der Nutztierhaltung, kritisch zu hinterfragen. 

True Gum geht gegen “Zutaten-Müll” in Kaugummis vor
In einer deutlich kleineren Aktion – aber dennoch medienwirksam – probierte es das Kaugummi-Startup True Gum. In einer gelungenen Guerilla-Marketing-Aktion mit dem Namen “The Big Plastic Raid” leerten die Berliner die Kaugummi-Regale von Kiosken und Spätis. 
Daraufhin verpasste das Startup den Wettbewerbs-Produkten ein Re-Packaging, das auf die bedenklichen Zutaten, wie Erdöl, Weichmacher und Latex hinwies, und verteilte die – nun “ehrlichen Produkte” – an Passanten.    

The Nu Company fordert Reinheitsgebot für Schokolade
Besonders lautstark ging The Nu Company vor, ein Startup für Schokoriegel. Die Berliner wiesen dabei mit provozierenden Claims (z.B. „Schokolade sollte Kinder zum Strahlen bringen. Nicht zur Arbeit“ oder “Man verkauft nicht die Milch anderer Mütter” auf die Missstände in der Kakaoproduktion hin. The Nu Company richtet sich damit nach eigenen Aussagen an Konzerne wie Nestlé, Hachez, Ferrero oder Bahlsen und fordert, gemeinsam die gravierenden Probleme zu korrigieren. 

Zuckerverbände wehren sich gegen “Falschaussagen”
Das Werkzeug der “Aufklärung” nutzen aber nicht nur “New Food”-Unternehmen, sondern auch alteingesessenen Konzerne und Verbände, die das eigene Geschäftsmodell bedroht sehen – so gesundheitsschädlich es auch sein mag. 
In bester Trump-manier wies die Zuckerwirtschaft kürzlich in einer gemeinsamen Kampagne auf den “Lebensmittelpopulismus” hin, der aktuell von manchen Unternehmen Aufmerksamkeit für die eigene Marke oder Organisation erzeugen soll. Laut der Vereinigung wird Zucker als Sündenbock dargestellt und diverse Falschaussagen unter die Konsument*innen gebracht. 
News Bites
„Liefertürke.de“ – Eko Fresh startet eigenen Lieferdienst
Neben der Vielzahl von Quick Commerce Anbietern im umkämpfen Lebensmittelliefermarkt, entstehen immer mehr Nischen-Geschäftsmodelle. Gerade besonders im Trend “Ethno-Food”. So kündigte gerade der Rapper Eko Fresh an, in Köln einen Lieferdienst für türkische Lebensmittel zu starten. Vergleichbare Modelle gibt es bereits in Berlin (Yababa) und den USA (Umamicart).

Good Idea – so heißt das neue Startup der Co-Founder von Oatly und FIJI Water. Die haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Spitzen unseres Blutzuckerspiegels nach dem Essen zu reduzieren.

Beyond Meat verpflichtet Fußball Nationalspieler Serge Gnabry als neues Testimonial und plant die große Marketing-Offensive.

New Yorker Schüler*innen bekommen zukünftig Freitags nur noch veganes Essen. Das setzte nun New Yorks neuer Bürgermeister Eric Adams durch, der als Veganer jetzt Schüler*innen von den Vorzügen einer fleisch- und milchlosen Ernährung überzeugen will. 
Startup Corner
ayoka – der afrikanische Good Mood Drink

Der Getränkemarkt hat fast minütlich neue “Innovationen” zu bieten. Aktuell geht´s dabei – wie in vielen Kategorien – häufig um Gesundheit. So präsentiert sich auch ayoka als Good Mood Drink “der mit einem Mix aus Vitaminen, Koffein und natürlichem 5-HTP dafür sorgt, dass der Körper Glücksgefühle produziert”. Unabhängig davon sicherlich trotzdem eine neue Erfahrung Wert, da das Getränk aus der afrikanischen Schwarzbohne gewonnen wird. 
ayoKANN ich ja mal testen
Empfehlung
BBC – Nährstoffgehalt unseres Essens nimmt ab

Die Produktionseffizienz unserer Landwirtschaft nimmt stetig zu. Aber der Nährstoffgehalt der Agrarerzeugnisse ebenso stetig ab. Am Boden liegt es jedenfalls nicht. Doch woran dann?Grund ist die Art und Weise, wie wir unsere Pflanzen im Hinblick auf mehr Effizienz verändert haben.
Das Beispiel “Weizen”:Es wurden Maßnahmen unternommen, die den Kohlenhydratanteil der Erzeugnisse steigern.Dabei bleib allerdings die Nährstoffaufnahme auf der Strecke. Diese nahm nicht ab, aber auch nicht zu. Somit verringert sich seit Jahrzehnten das Verhältnis von Kohlenhydraten zu Nährstoffen.Der Weizen wurde quasi “verdünnt”.  Dies trägt zu einem Phänomen bei, das als versteckter Hunger bezeichnet wird, bei dem sich Menschen satt fühlen, aber möglicherweise nicht gesund sind, da ihre Nahrung kalorienreich, aber nährstoffarm ist. Viele Studien zeigen, dass wir wieder ein ursprüngliches Verhältnis erhalten könnten, wenn ein umdenken darin stattfindet, wie Lebensmittel erzeugt und vermarktet werden.„Landwirte müssen für einen effektiven Nährstoffertrag bezahlt werden, nicht nur für die Masse der Produkte. Im Moment ist das Modell, pro Tonne Getreide bezahlt zu werden, aus Sicht der menschlichen Gesundheit nicht tragfähig“. (McGrath, Professor für Boden- und Pflanzenkunde) 
Zum BBC-Artikel

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